Rottal macht fit für die Arbeit in München

Presse

Oberbürgermeister Christian Ude zu Gast beim Gesprächs- und Diskussionsforum

Bad Birnbach. Die jüngste Ausgabe von Ruthart Tresselts "Rottaler Gesprächen" war eine ganz besondere. Seit 13 Jahren moderiert der Chef des Münchner Presseclubs die Serie im Gasthof Wasner. Ein Landesbischof, hochdekorierte Manager, diverse Minister und sogar Ministerpräsidenten gaben sich hier bereits die Klinke, besser gesagt das Mikrophon in die Hand. Einen Herausforderer bekam man hier noch nie zu Gesicht. Insofern betrat der Münchner OB Christian Ude Neuland, als er der Einladung von Ruthart Tresselt folgte. Das weckte Neugierde, und so waren der kleine wie der große Wasnersaal bis auf den letzten Platz gefüllt, um zu sehen, was der rote Spitzenkandidat für die Landtagswahlen 2013 zu bieten hat.

Die SPD im Rottal frohlockte und kam mit einer großen Gefolgschaft. Schließlich besteht die Chance, nach Jahrzehnten schwarzer Alleinherrschaft der CSU das Amt des Ministerpräsidenten streitig zu machen. Doch gerade auch aus den Reihen der "Schwarzen" waren viele gekommen – sicherlich auch um zu schauen, was da 2013 auf die Regierungspartei zukommt.

Nun, ungeachtet aller politischen Farbenspiele hat Christian Ude eines klargestellt. Er ist ein brillanter, gewitzter Redner, dem man zuhören kann. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass sich Ude nicht nur auf die Politik, sondern auch auf das Kabarett versteht. Und er war bestens erholt, wie er sagte. Schließlich verbringe er die Zeit seit Heilig Abend im Rottal, genauer gesagt im benachbarten Bad Griesbach. "Eine Woche Rottal macht fit für ein Jahr Arbeit in München", meinte er.

Kritik am Verhaltendes Bundespräsidenten 

Mehr als zweieinhalb Stunden vergingen von der ersten Frage bis zum letzten Interview wie im Flug. Einen Verbleib von Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten kommentierte Ude nicht. "Egal ob er zurücktritt oder nicht. Das Amt ist nicht mehr das, was es Ende des letzten Jahres noch war." Dabei gehe es nicht um einen privaten Urlaub eines Politikers oder um einen privaten Kredit, sondern um das Vorgehen. "Der Hammer ist das letzte Kapitel. Ich habe mir das plastisch nicht vorstellen können, dass ein Bundespräsident die Verlegerin Friede Springer anruft, um zu sagen, dass hier etwas recherchiert wird, was nicht erscheinen darf."

Ude konnte in manchen Sachfragen auch den Applaus des politischen Gegners einfahren, etwa als es um DSL im ländlichen Raum ging. In Udes Augen gehört das schnelle Internet zur Grundversorgung wie das Wasser. Gegen die Privatisierung der Wasserversorgung wandte er sich energisch.

Mit launigen Worten beschrieb er sein persönliches Verhältnis zu Ministerpräsident Horst Seehofer. "Wir treten beide 2013 zum ersten Mal als Spitzenkandidat an, gehören derselben Generation an. Ich habe zwei Jahre mehr Lebenserfahrung – was man gelegentlich merkt", sagte er und bezeichnete das Verhältnis insgesamt als entspannt. Sogar Lob hatte er für Seehofer parat, weil er "in diesen wirtschaftsradikalen Zeiten tatsächlich nie ein Marktradikaler war, sondern einer, der sich immer auch als Sozialpolitiker verstanden hat."

Harsche Kritik dagegen übte Ude an CSU-Generalsekretär Dobrint. Insbesondere auf dessen Aussagen in einem am Montag veröffentlichten PNP-Interview reagierte er allergisch. "Es ist absurd, dass der gute Mann, der vor Wochen noch Christian Ude ignorierte, jetzt solche Panikattacken zu Markte trägt", sagte der SPD-Spitzenkandidat und verwahrte sich vor Aussagen, in München gäbe es einen Klinikskandal. "Das stimmt einfach nicht. Das Klinikum hat mit Defiziten zu kämpfen. Auch Horst Seehofer hat hier die Unwahrheit gesagt. Wir haben nicht 100 Millionen Euro Schulden, sondern Null". Richtig sei, dass es ein Defizit von 43 Millionen jährlich gebe, das mit Eigenkapital gelöst werden müsse. Eine Mitschuld an der Situation gab Ude dem Landkreis München, der unter CSU-Führung zwei Krankenhäuser verkauft habe. "Dort werden keine multimorbiden Menschen mehr behandelt. Und es gibt auch keine Notaufnahme mehr. Damit sollte ein früherer Gesundheitsminister sachlicher umgehen."

Gelassen blickte Christian Ude auf ein mögliches politisches Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg. "Das Risiko ist für die CSU größer als für die SPD."

Nachdenklich zeigte er sich beim Thema Eurobonds, zu deren Befürworter er zählt. Der Regierung, insbesondere Kanzlerin Merkel, warf er vor, zunächst mit kraftvollen Sprüchen aufgetreten zu sein. "Dann mussten sie immer klein beigeben." Richtig sei, nun zu diskutieren, welches Szenario es geben kann. Es dürfe kein Gegeneinander zum Beispiel von Deutschland und Griechenland geben. Vielmehr müssten die Gerechtigkeitsdefizite in den einzelnen Ländern aus dem Weg geräumt werden.

Einen guten Rat gab Christian Ude den Freien Wählern mit auf den Weg. "Sie werden sich anschauen, was mit den Mehrheitsbeschaffern der CSU passiert ist. Das beginnt mit der Bayernpartei, und der FDP wird es auch nicht anders ergehen." Statt unterzugehen, seien dagegen die Grünen als Koalitionspartner der Münchner SPD salonfähig geworden. Jetzt würden die "Schmuddelkinder von einst sogar von den Schwarzen umworben". Die FDP spielt in den Augen von Ude künftig ebenso wenig eine Rolle wie die Linkspartei. Viel schwerer einzuordnen sei die Rolle der Piratenpartei. "Man muss sich schon Gedanken machen. Die haben zu nichts eine Antwort, außer zur Freiheit im Netz und zu Drogen."

(© Quelle: Passauer Neue Presse, 05.01.2012)

PNP-Artikel vom 05.01.2012 im PDF-Format anzeigen


Wochenblatt vom 11.01.: Ude punktet gegen Seehofer

 

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